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Factory Kitchen

Über Floris neues Restaurant-Projekt Factory Kitchen kann ich nicht neutral schreiben. Auf der anderen Seite würde ich auch nicht darüber berichten, wenn es nicht gut wäre. Ob es denn wirklich gut ist? Oh Mann, ja.

Abgesehen von der Location, die für mich zu den schönsten in ganz Berlin zählt, konnte Flori ein Team aus kleinen Genies zusammenstellen. Jeder für sich kann etwas besonders gut, sei es sich um die Gäste zu kümmern, die richtigen Weine auszusuchen oder neue Gerichte zu erfinden. Womit wir beim Küchenchef Nicholas Patrick Hahn wären.

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Nach Stationen in den Sternerestaurants Schuhbeck’s Südtiroler Stuben, dem Hotel Barreiss und dem Restaurant Wielandshöhe kochte er in einem 2-Sterne-Schuppen in Portugal, den USA und Ungarn. Bevor er im Hotel Villa Sorgenfrei als Küchenchef anheuerte, war er als Sous Chef bei Matthias Diether im First Floor in Berlin tätig – wo übrigens auch Flori das Handwerk gelernt hat.

Gestern kam ich zum ersten Mal in den Genuss von Nicos Kochkunst, die von Südamerika inspiriert ist. Wer jetzt an Tacos und Guacamole denkt: Nein, solche Gerichte gibt es nicht. Die Factory Kitchen verfolgt ein Fine-Dining-Konzept. Die Speisen sind ungewöhnlich, durchdacht und schlichtweg köstlich.

Das letzte Mal hatte ich solche Aha-Erlebnisse im Zenkichi (die beste Auster meines Lebens, Tofu sahniger als Panna Cotta) und Dottir (karamellisierte Laktose in geschmolzener Butter, Heilbutt mit Pilzpüree).

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Die Küche der Factory Kitchen hat allerdings mehr Schmackes, weil Nico (auf dem Foto oben rechts, der Typ hat Tattoos bis zum Hals) ein Faible für Gewürze und ungewöhnliche Zutaten hat, die er wie ein Schmetterlingssammler auf der Suche nach den schönsten Exemplaren zusammensucht.

Der gebürtige Stuttgarter verwendet zum Beispiel getrocknete Chilis aus Peru, die scharf sind, aber nicht brennen, wilde Pistazien aus dem Iran in Kombination mit Ziegenmilch, weil die Kerne dort als Ziegenfutter verwendet werden, oder er backt aus schwarzem Sesam einen Krokant, der einer Möhre den richtigen Bums gibt.

Aus Miso, Ponzu und Dashi kocht Nico Marinaden und Soßen ein, deren Reste man mit dem Zeigefinger vom Teller wischen oder ablecken muss (schnell machen, wenn keiner guckt).

Er gart Fleisch so zart, dass man kaum ein Messer für das Essen braucht. Wenn er persönlich erklärt, was da auf dem Teller liegt und wie viel Aufmerksamkeit er jeder Zutat widmet, verliebt man sich. In ihn, seine Geschichten und seine Küche. Rein kulinarisch, natürlich.

Das sind meine Favoriten:

Krabben Churros mit Sumach-Zucker und hausgemachter Aioli – der beste Starter, dicht gefolgt von den Chicken Wings mit Chili-Dip, von denen es leider kein Foto gibt, weil die sofort weggefressen wurden.

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Gurken Ceviche – aus scharfen Gürkchen, Kartoffeln, Radieschen und Dillblüten. Oder: der raffinierteste Gurkensalat der Welt!

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Miso-Karotte – nicht nur ein Traum für Vegetarier, mürbe gekochte Karotte mit verschiedenen Pürees, Ananas-Kimchi und Seasam-Krokant.

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Forellen Tiradito – südamerikanisches Sashimi aus Fjord-Forelle mit Roter Beete und Avocado-Mousse. Die Ponzu-Soße habe ich danach aus dem Teller getrunken.

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Short Rib – Rind, 14 Stunden lang gekocht. Dazu Kürbis und Süßkartoffelpüree. Ein Traum!

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Schweinebäckchen – Iberico-Schwein mit Fenchel, Auberginen-Püree und Backpflaumen. Unglaublich, dass ich früher Vegetarierin war. So was Leckeres darf man nicht verpassen. Das Fleisch fällt auseinander, die Soße aus dem Bratenfond ist zum Niederknien. Das wäre ein Gericht für meinen großen Bruder.

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Steinbeißer mit Chimichurri, San Daniele Schinken, Pfirsich und Maispüree – was für eine Mischung! Der gedämpfte Fisch ist so fein im Geschmack, wie es dieses Lebewesen verdient hat, auf den Teller zu kommen. Dazu große Maiskörner, die unglaublich schmecken. Gar nicht nach Bonduelle aus der Dose, sondern wie Nüsse.

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Am besten man teilt sich ein paar Starter und isst dann jeder ein Fleisch- oder Fisch-Gericht. Oder man bestellt gleich das 6-Gang-Menü, was ich empfehlen würde. Dazu gibt’s ein Fläschchen Wein oder den Signature Drink des Hauses: Pisco Sour.

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Die gesamte Karte könnt ihr hier sehen. Dinner gibt es Freitag und Samstag ab 18 Uhr.

Reservierungen an: kitchen@factoryberlin.com oder per Telefon 030/44 310 950.