„Unsere Keramik ist keine China-Massenware, die nach kurzer Benutzung dem nächsten Trend weicht“ – Interview mit Anna Lempke von Villa Walther & LÓNJA Keramik

„Unsere Keramik ist keine China-Massenware, die nach kurzer Benutzung dem nächsten Trend weicht“ – Interview mit Anna Lempke von Villa Walther & LÓNJA Keramik

Auf Instagram gibt es nicht nur jede Menge Modeblogger und Influencer, sondern auch fleißige Häuslebauer bzw. Renovierungsprojekte. So wie wir in der Villa Peng erzählt auch Anna Lempke mehr über ihr Eigenheim Villa Walther, das sehr geschmackvoll mit vielen Designerklassikern eingerichtet wurde. Ich sage nur „Eames Lounge Chair“ und das schönste rosa Badezimmer ever. Das ist aber noch nicht alles!

Außerdem hat Anna ein hübsches Keramiklabel mitgegründet, das ich euch hiermit unbedingt vorstellen möchte. Es heißt LÓNJA und bietet nicht nur dekorative Teller, Becher und Schüsseln in dezenten Farben wie Koralle oder Skandinavisch-Weiß, sondern ganz neu eine Terrazzo-Linie. Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee bunte Teller zu verkaufen und wie genau läuft das ab? Mehr verrät Anna in unserem Interview!

Liebe Anna, wir „kennen“ uns über Instagram. Aber mehr weiß ich nicht von dir. Erzähl’ mir bitte was über dich!

Ich bin 34 Jahre alt. Sowohl mein Mann, ein Architekt, als auch ich kommen aus Lippstadt, einer Stadt mit 67.000 Einwohnern in NRW. Bevor wir 2016 wieder zurück in unsere Heimat gezogen sind, haben wir gemeinsam in Luzern, in der Schweiz, gelebt.

Was machst du beruflich?

Während der Zeit in der Schweiz habe ich in Zürich in einer großen Modeagentur als Brandmanagerin gearbeitet. Sechs Wochen nach der Geburt unserer Tochter sind wir zurück nach Lippstadt gezogen. Dort habe ich erst einmal die Elternzeit genossen und dann nach und nach das Geschäft meiner Mutter übernommen. Ein Modegeschäft, was sich auf die Größen 40 bis 50 spezialisiert hat. Das war für mich perfekt, weil ich nach und nach wieder einsteigen konnte.

Das hat aber auch nur geklappt, da ja die Großeltern alle vor Ort sind. Leider werden wir den Laden dieses Jahr aber nach 18 Jahren schließen. Ich hätte noch sehr viel Lust und Motivation ein neues Geschäft zu eröffnen. Aber dann läuft ja auch noch LÓNJA…

Oh, wie schade. Aber du hast sicher genug zu tun und eine neue Perspektive findet sich immer. Erzähl’ mir mehr über die Villa Walther. Wie habt ihr das Haus gefunden und was hat euch gesagt, dass es „Euer“ Haus ist?

Ganz klassisch: über ein gängiges Immobilienportal. Mein Mann hat aber täglich mehrmals alle gecheckt, sodass wir bei der Villa Walther die ersten waren, die sich gemeldet und es angeschaut haben. „Villa Walther“ heißt es übrigens, da die Erbauer und Vorbesitzer Walther hießen. Die Haustür und der Eingangsbereich haben uns sofort begeistert. Aber gerade am Anfang, auch in Hinblick auf eventuelle Verhandlungen, will man ja auch nicht vor Begeisterung losjubeln. Ich weiß noch, als mein Mann und ich bei der Besichtigung im Elternschlafzimmer angekommen sind und kurz alleine waren. Da haben wir uns beide gleichzeitig zugeflüstert: „Das ist es!“

Was ist die aktuelle Baustelle bei euch im Haus?

Die Terrasse ist mir aktuell am wichtigsten. Die hat noch keinen Belag und es wäre toll, wenn das fertig ist, bevor der Sommer startet. Ansonsten viele kleinere und größere Dinge, die aber erst nach und nach angegangen werden, wenn die Zeit und das Geld da sind.

So läuft es auch bei uns. Mir macht neben dem Einrichten natürlich auch das Einrichten am meisten Spaß.  Wer prägt dich und deinen Interior-Stil?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, da unheimlich viel davon ja auch unterbewusst geschieht. Interessiert hat mich das Thema schon immer. Schon als Kind habe ich es geliebt, mein Zimmer umzuräumen. Zeitschriften, Instagram, Pinterest: Ich denke, es ist ein Potpourri aus allem. Wobei uns jetzt bei der Villa Walther auch ganz stark das Haus an sich geleitet hat. Wir haben bewusst darauf Acht gegeben, den Stil des Hauses zu erhalten. Ich mag es überhaupt nicht, wenn alte Häuser gekauft werden und „gesichtlos“ renoviert werden, ohne dass irgendetwas vom ursprünglichen Stil erkennbar ist.

Das hast du gut beschrieben. Überträgt sich dieser Design-Anspruch auch auf LÓNJA?

Das Label habe ich zusammen mit meinem Bruder, seiner Freundin und meinem Mann vor einigen Monaten gegründet. Die Idee dazu kam uns im Portugal-Urlaub, als wir auf das tolle farbige Geschirr gestoßen sind. Und der übliche Satz gefallen ist: „Wir sollten mal einen Container voll davon nach Deutschland holen, das würd bestimmt super laufen.“ Und dann: Warum immer nur reden, lass es uns doch einfach probieren!

Der Name LÓNJA entstand in Anlehnung an das Viertel „La Lónja“ in der mallorquinischen Hauptsstadt Palma, in dem früher der Fischmarkt stattfand. Der farbenfrohe Charme unserer Keramik passt super zu den Assoziationen, die man sofort hat, wenn man an den Flair von kleinen Gassen und Fischerorten denkt. Der Begriff LÓNJA ist demnach zwar nicht portugiesisch, aber steht für ein lässiges europäisches Lebensgefühl.

Wir haben mit Artikeln für den Tisch angefangen: große und kleine Teller, Tassen, Schüsseln, kleine Becher und tiefe Teller in fünf verschiedenen Farbwegen. Vor kurzem ist auch endlich die Terrazzo-Linie online gegangen. Diese Kollektion liegt uns sehr am Herzen, da das Design und die Farben komplett aus unserer Feder stammen. Durch die Renovierung der Villa Walther hatten wir uns schon viel mit Terrazzoböden beschäftigt und dieses Muster lieben gelernt. Die Teile sind alle handbemalt und wie alle LÓNJA-Artikel absolut spülmaschinenfest.

Was genau ist „Terrazzo“ und was begeistert dich so sehr daran?

Diverse Zusätze aus zum Beispiel Marmor oder anderen Steinen, die mit einem Verbindungsmittel vermengt werden. Diese Masse wird später soweit runter geschliffen, dass sowohl Zusätze als auch Verbindungsmittel zu sehen sind.

Diesen Bodenbelag gibt es schon seit der Antike und ich finde ihn unglaublich dekorativ und interessant. Man kann quasi jede Farbkombination möglich machen, immer abhängig von den jeweiligen Zuschlagstoffen.

„Ortsterrazzo“ – der fugenlos vor Ort gegossen wird – wird heute nicht mehr von vielen Betrieben angeboten und ist besonders bei kleineren Flächen sehr teuer. Wir haben uns daher in unseren Bädern für Terrazzo-Platten entschieden.

Wo und wie hast du das Geschirr von LÓNJA persönlich im Einsatz?

Ich liebe den tiefen Teller in allen Farbvariationen. Er ist unglaublich vielseitig einsetzbar. Ob Pasta, Salat, Suppe… wir essen fast alles aus dem „Sofa-Teller“. Auch als kleine Obstschale ist er bei uns oft im Einsatz.

Aus der Terrazzo-Linie ist mein absoluter Favorit der Blumentopf. Davon gibt es einfach viel zu wenig schöne Exemplare auf dem Markt und ich liebe Pflanzen in der Wohnung. Als Vase oder Aufbewahrung für Kochlöffel & Co. macht er sich aber auch perfekt.

Und dann noch der kleine Terrazzo-Teller. Endlich eine hübsche Ablage für meinen Schmuck!

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Wo genau entstehen die Stücke?

Unsere Keramik wird in einer portugiesischen Töpferei hergestellt, in einer Region, in der das Töpferhandwerk eine lange Tradition hat. Wir haben uns vor Ort selbst von den Arbeitsbedingungen überzeugt. Die Töpferei versteht es, das alte Kunsthandwerk mit modernen technischen Hilfsmitteln zu verbinden.

Saubere Energieträger wie Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft wurden in Portugal in den letzten Jahren massiv ausgebaut und können unter optimalen Bedingungen inzwischen einen Großteil der Stromversorgung übernehmen.

Die Töpferei verfügt über eine Wasserwiederaufbereitungsanlage, was in einer trockenen Region enorm wichtig ist. Der Ton stammt aus der benachbarten Tongrube. Dadurch werden Wege gespart und Rohstoffe nicht unnötig über den halben Erdball transportiert.

Unsere Keramik ist somit keine China-Massenware, die nach kurzer Benutzung ausgetauscht wird und dem nächsten Trend weicht. Jedes unserer Teile ist handgemacht bzw. handbemalt und hat dadurch einen eigenen Charakter. Darin muss man sich  einfach verlieben. Und Dinge, die man liebt, tauscht man nicht einfach so aus.

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Anna!

Transparenz: LÓNJA hat mir alle auf den Bildern gezeigten Artikel freundlicherweise für das Shooting zur Verfügung gestellt. Anschließend durfte ich die Sachen behalten. Danke <3

Fotos: Lukas Schramm

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