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Kolumne: Wind unter die Flügel pusten – meine Gedanken zum Kita-Start

Nach dem Urlaub ist es soweit: mein Kind kommt in die Kita. So sehr habe ich diesen Tag herbeigesehnt, denn nach über einem Jahr nur Mamasein möchte ich wieder mehr Zeit für mich, Sport machen, mich um meinen Blog kümmern, nach Berlin zum Shoppen fahren oder in der Klub Kitchen diese geilen Glasnudeln mit Tofu essen.

Doch plötzlich bekomme ich Schiss. Mein Kind in fremde Hände zu geben, sie jeden Tag sechs bis acht Stunden nicht zu sehen – das macht mir Angst und ich kann verstehen, warum viele Mütter ihre Kinder erst im Alter von 3 Jahren in die Kita geben. Und zwar nicht aus finanziellen Gründen!

Wird mein Kind gut behandelt, sind die Erzieher lieb zu ihr, geht man auf mein kleines Mädchen ein oder rennt sie den ganzen Tag hinter jemandem her, der sie nicht beachtet? Wahrscheinlich plagen alle Eltern diese Sorgen, auch wenn der Kita-Start wieder mehr Freiheit für einen selbst bedeutet. Aber wenn ich meinen blonden Engel anschaue bin ich sofort bereit auf alles zu verzichten. Die Hauptsache ist, dass es ihr gut geht. So stecke ich mittlerweile auch den Schlafmangel gut weg. Baby Peng bekommt vier Backzähne auf einmal, das tut sauweh und wer ist für sie da, wenn nicht ich, ihre Mama?

Doch ich muss meinem Kind den Wind unter die Flügel pusten, anstatt sie immer an mich zu drücken. Meinem Kind wird der Kontakt zu gleichaltrigen Mäusen gut tun. Schon jetzt liebt sie die wöchentliche Krabbelgruppe und beobachtet ihre älteren Cousinen Danaë und Alexia bei allem, was sie tun. Sie spielt Ball, streichelt Katzen und rennt ohne Angst in die Brandung. “Genießt’ die Zeit – die Kinder werden so schnell groß”, sagen immer alle Eltern und langsam bekomme ich eine Ahnung, was gemeint ist.

Vor einem Jahr waren wir ebenfalls in Griechenland. Damals war Baby Peng vier Monate alt. Sie lag auf dem Bauch und konnte mit Mühe und Not ihr Köpfchen halten. Jetzt flitzt sie nackig zwischen den Sonnenliegen herum, klaut den Griechen die Tennisbälle und ihrem Vater die leere Bierflasche. Vor einem Jahr bekam sie von meiner Mutter das erste Mal einen Löffel pürierte Möhren in die Schnüss gesteckt. Jetzt futtert sie Tomaten, Eis, Pfannkuchen, Pommes und Nudeln. Oliven spuckt sie wieder aus, ebenso wie alles, was eine Schale hat oder irgendwie krümelig ist. Sie ist eine kleine Person geworden.

Ihre ersten Worte kann Baby Peng auch schon. Wenn sie aufwacht schaut sie mich an und sagt “Meine Mama”. Ihr merkt schon: Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Sonne. Mutterliebe ist ein wahnsinnig schönes Gefühl. Man liebt so sehr und hat gleichzeitig so große Sorgen im Herzen. Genau damit muss nun auch ich lernen umzugehen.

(Foto: Sandra Semburg)