Kolumne: Was bin ich (mir) wert?

Kolumne: Was bin ich (mir) wert?

Letzte Woche bekam ich eine Anfrage: „Eigentlich kooperieren wir erst mit Influencern ab 20K, aber wir würden trotzdem gerne mit dir zusammenarbeiten.“ Es ging dabei um Sportklamotten, das Label kannte ich vorher nicht. Ich schrieb zurück, warum ich dann überhaupt angefragt werde, wenn mein Account doch eigentlich zu popelig sei. Zwei Instagram-Stories mit mehreren Slides und zwei Posts im Feed – so wäre der Deal für drei Leggings gewesen. Ich habe abgesagt.

Ich erinnerte mich an ein Interview mit der schwedischen Blogger-Ikone Elin Kling, die inzwischen erfolgreiche Designerin ist. Sie sagte bereits 2013: „Ich blogge nicht für Handtaschen.“ Eine clevere Geschäftsfrau. Auch ich möchte gerne mit Alexa Peng richtiges Geld verdienen, denn dann kann ich mehr freien Content wie diese Kolumne oder Interviews produzieren. Ich hoffe auch, mir mit dieser Seite irgendeine berufliche Perspektive schaffen zu können, denn wer weiß, wo die Reise mit den Onlinemedien hingeht und wie lange ich die Jobs noch machen kann, die ich gerade mache.

Aber zu welchem Preis bin ich bereit mich und meine Meinung zu verkaufen, zumal Werbung in den Sozialen Medien immer noch eine Grauzone ist und viele Kollegen bereits abgemahnt wurden oder aus Angst davor JEDEN Post als Werbung kennzeichnen?

Putzmittel, Baumärkte, Reiseveranstalter: Solche Anfragen bekomme ich meistens, nicht Cartier, Chanel oder Ferrari. Die meisten Agenturen versuchen dabei noch die Preise zu drücken und argumentieren mit „Ja, aber du hast ja noch nicht sooo viele Follower“ oder „Wir sehen leider noch zu wenig Engagement auf deiner Seite.“ Trotzdem wollen sie ihre giftigen Produkte auf meiner Seite sehen oder dass ich auf einen uncoolen Onlineshop verlinke.

Ich sage diese Kooperationen freundlich ab oder rufe so dermaßen hohe Preise auf, dass ich von der anderen Seite eine Absage kassiere. Viele Agenturen melden sich gar nicht mehr, nachdem sie mein Mediakit gesehen haben.

Die meisten kapieren nicht, was für ein Aufwand hinter fast jedem Blogpost für mich steckt: Schöne Fotos zu machen, einen Text zu schreiben, meine Social-Media-Kanäle zu pflegen, auf Kommentare zu antworten und am Schluss das Honorar zu versteuern – oder eben auch die Dinge, die man bei einer Kooperation statt Geld manchmal bekommt, seien es Klamotten oder Möbel. Abgesehen davon verkaufe ich meine Integrität als Journalistin – denn das bin ich nach wie vor hauptberuflich, nicht Blogger oder Influencer.

Ich bekomme auch fast keine Einladungen mehr, weil ich nie auf Events, Showroom-Dates oder Modeschauen gehe – oder zusage und dann doch wieder absagen muss. Aber ich habe nicht wie eine Studentin einen ganzen Tag zur freien Verfügung und kann mich deshalb nicht in irgendeine Beauty-Lounge lümmeln, um Macarons zu naschen und mich mit neuen Produkten schminken zu lassen – so gerne ich das tun würde. Aber ich muss arbeiten. Denn wenn ich als Selbstständige nicht arbeite, verdiene ich nichts. Ich kann mir solche Events also nicht leisten. Früher bin ich hingegangen und habe dafür nachts gearbeitet. Aber jetzt habe ich eine kleine Tochter. Wer bezahlt den Babysitter, Zugfahrt und Taxi, damit ich auf einem Event abhängen kann? Ich.

Umso erstaunter war ich von einer PR-Insiderin zu hören, dass die guten Agenturen gar nicht mit den vermeintlich Stars der Szene zusammenarbeiten, weil es offensichtlich ist, dass von den Millionen Follower die meisten gekauft sind und eben nicht aus den relevanten Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz, sondern aus Asien oder den USA stammen.

Ha, das ging runter wie Öl! Denn ehrlicherweise habe ich auch schon mal Follower gekauft, weil ich dachte auf Instagram besser dastehen zu müssen und manchmal so sehr an mir zweifele, dass ich alles hinschmeißen möchte. Ich habe deshalb 1.000 Follower gekauft, die nach drei Wochen wieder weg waren. Toll.

Meine Followerzahl und auch meine Honorarvorstellungen bleiben deshalb jetzt so wie sie sind. Die seriösen Agenturen nehmen meine Angebote nämlich an, ohne den Preis drücken zu wollen. So sind in diesem Jahr viele schöne Kooperationen zustande gekommen, die ich meinen Lesern präsentieren kann, ohne mich dafür insgeheim zu schämen.

Was ich damit sagen will: Manchmal denkt man, so wie alle anderen sein zu müssen. Genauso erfolgreich, so beliebt, so gefragt. Viel wichtiger ist es, sich selber treu zu bleiben, auch wenn das keine Millionen von Menschen mit Herzchen und Konfetti feiern. Das muss man lernen auszuhalten.

Aber ich bin davon überzeugt, dass man nur als authentische Person, und nicht als Abklatsch einer anderen, auch echte Herzen gewinnen kann – und nicht nur die schnell vergebenen Emojis in den Kommentarfeldern.

Folge: