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10 Dinge, die sich seit dem Landleben verändern haben

Es riecht nach Gülle und gerade fliegt wieder die Entenflugschule übers Haus. Fünf Monate Landleben – Zeit für ein Zwischenfazit!

1. Ich bin glücklicher

Das hätte ich selbst nicht gedacht, denn anfangs hatte ich ganz schön Muffensausen. Ich denke es liegt daran, dass wir mehr Platz haben, Baby Peng sich hier im Garten und am See austoben kann, von uns als auch den Groß- und Urgroßeltern heiß geliebt wird und dass die schönste Natur direkt vor unserer Nase liegt. Jeden Morgen auf dem Klo den Sonnenaufgang über dem See beobachten zu können – priceless!

2. Ich bin schlanker

… und zwar nicht nur wegen meiner Stoffwechselkur. Ich muss mich hier viel mehr bewegen, als in Berlin. Allein das Treppenhaus in der Villa Peng ist wie ein Stairmaster. Dazu kommen Blumen gießen und jeden Tag eine Stunde Fahrradfahren. Das haut rein und meine App zum Schrittezählen brauche ich fast nicht mehr.

3. Ich bin nicht mehr dauernd pleite

In Berlin flog die Kohle jeden Tag zum Fenster raus: Hier ein Kaffee, da eine Jeans, hier eine Pediküre, da ein Sushi-Menü. Am Ende des Monats, wenn nicht sogar früher, war ich pleite und wusste nie warum. Dafür shoppe ich hier in Wusterwitz wie bekloppt für Baby Peng. Es gibt keine Drogerie auf dem Dorf und die DHL-Frau hasst mich schon, weil ich immer die großen Windelpakete bestelle. Sorry!

4. Ich bin einsam, aber es ist ok

In Berlin war ich schon einsam, weil ich den ganzen Tag in meinem Home-Office verschanzt oder während der Schwangerschaft auf dem Sofa gepennt habe. Hier in Wusterwitz fehlen mir meine Freundinnen, aber die Zeit auf einen Kaffee in die Stadt zu fahren finde ich noch nicht. Dazu ist in der Villa Peng zu viel zu tun oder ich muss arbeiten. Flori geht morgens aus der Tür und ist erst abends zurück. Aber ich bin jemand, der die Einsamkeit in der Natur gut aushalten kann. Ich kann sehr gute Selbstgespräche führen, in denen ich über mein Verhalten und das von anderen reflektiere.

5. Ich gucke weniger nach links und rechts

“Mein Ding machen” – das ist mit dem Umzug nach Wusterwitz der große Plan gewesen. Hier möchte ich mich nun mehr selbst verwirklich und die Themen vorstellen, dir mir als Frau über 40, Mutter und Mode-, Interior- und Beautyfan am Herzen liegen. Was die anderen alle machen finde ich gut, aber ich lasse mich nicht mehr davon ablenken. Ich weiß, wo ich stehe und was ich drauf habe. Tschaka!

6. Ich lebe bewusster

Netflix vs. Sonnenuntergang anschauen, Onlineshopping vs. eine Runde Fahrradfahren, Pizza essen vs. Salat aus Rote Bete aus dem Garten machen: Es klingt wie ein doofes Landleben-Blog-Klischee, aber tatsächlich stehe ich hier immer wieder vor der Entscheidung, wie ich meinen Alltag besser gestalten kann. Das Landleben bietet mir da weitaus mehr Spielraum, als die Stadt. Da bin ich maximal zum Yogakurs gegangen oder habe eine Pho ohne Zwiebeln bestellt. Hier halte ich immer wieder inne und betrachte meine Umgebung. Dabei entdeckt man dann so kleine Wunder wie die Spinnennetze im Morgentau.

7. Ich bin weniger neidisch

Das Landleben fernab der Konsumtempel und Streetstyles hat einen großen Vorteil, denn man hat nicht dauernd all die vermeintlich erfolgreichen Schnecken um sich herum. Hier in Wusterwitz kennt man nur die Céline aus Kirchmöser, nicht die Celine (Achtung, neue Schreibweise dank Hedi Slimane) aus Paris und jeder Fashion-Trend, der jetzt super wichtig scheint, ist hier egal. Ich sage nur: Radlerhosen.

8. Ich sehe frischer aus

… nämlich nicht mehr so blass! Meine Haut freut sich über eine nonstop Sauerstoff-Zufuhr. Die Belastung durch Feinstaub ist hier deutlich geringer und das sieht man nicht nur an der Haut, sondern auch abends an den weißen T-Shirts. Keine schwarzen Ränder!

9. Ich freue mich noch mehr auf das Wochenende

Da geht es auf der Baustelle weiter und Flori ist endlich mal zuhause. Unter der Woche bin ich quasi alleinerziehend, am Wochenende ist deshalb Zeit für die Familie. Wie genießen jeden Moment und haben es uns z.B. zum Ritual gemacht, morgens gemeinsam spazieren zu gehen und danach zu kuscheln. Auch abends drehen wir immer mal wieder spontan eine Runde um den See. Das tut uns allen gut!

10. Ich fühle mich zuhause

In Berlin habe ich mir immer Sorgen darüber gemacht, was aus mir wird. Ich habe Angst vor Altersarmut und Obdachlosigkeit, abgesehen davon, dass ich mich fernab meiner Heimat, dem Rheinland, immer entwurzelt gefühlt habe. In Wusterwitz fühle ich mich angekommen. “Das ist unser Haus” – diesen Satz sagen zu können macht mich stolz, auch wenn wir noch ein paar Jahre den Kredit abstottern müssen und es niemals eine Garantie dafür gibt, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich bin mir bewusst, dass ich gerade die glücklichste Zeit in meinem Leben erlebe. Dafür bin ich dankbar.

(Headerfoto: Jules Villbrandt)