„Ich persönlich habe die Coronakrise genutzt, um noch mehr Geld zu investieren“ – Interview mit Finanz-Expertin Margarethe Honisch zum Thema ETFs in Zeiten von Corona

„Ich persönlich habe die Coronakrise genutzt, um noch mehr Geld zu investieren“ – Interview mit Finanz-Expertin Margarethe Honisch zum Thema ETFs in Zeiten von Corona

Ich musste mich 2020 endlich dem unbequemen Thema stellen: Habe ich meine Altersvorsorge richtig geplant? Je mehr Artikel und Expertinneninterviews ich las, desto unsicherer wurde ich. Ich wusste nur: Ich musste mehr tun, als nur Versicherungen abzuschließen, damit ich als Rentnerin nicht von Altersarmut betroffen bin.

Also fing ich an über einen provisionsfreien Broker mein Geld in ETFs und Gold zu investieren. Drei Wochen später hatte ich den Überblick verloren. Ich verstand  einfach nicht, was ich da tat und hatte in meinem Alltag als Mutter und Autorin keine Muse mich damit zu beschäftigen. Ich wollte einfach etwas, das funktioniert und mit ich mich safe fühlte. Eine App schien mir einfach zu bedienen, aber irgendwie unseriös. Schlußendlich buchte ich eine Beratung bei einem Honorarberater und bat zudem Margarethe Honisch, Finanzbloggerin (Fortunalista) und Buch-Autorin von Easy Money: Wie du deine Finanzen regelst, endlich vorsorgst und trotzdem gut lebst *, um die Beantwortung meiner dringendsten Fragen.

Liebe Margarethe, es besteht meinerseits große Unsicherheit, weil es inzwischen so viele Informationen zum Thema Anlegen gibt. Das schreckt auch viele andere Frauen ab und sie machen nicht weiter. Wie findet man für sich persönlich in einfachen Schritten den richtigen Weg an die Börse?

Am Anfang muss die Informationsbeschaffung stehen: Wie funktioniert die Börse? Was muss ich beachten? Welches Risiko kann ich eingehen? Letztendlich habe ich drei Möglichkeiten:

  1. Ich eigne mir alles selbst an und lese mich in die Thematik ein. Das heißt, ich muss Zeit investieren.
  2. Ich gehe zu einem Honorarberater, bezahl ihn und lass mich beraten.
  3. Ich nutze Angebote wie Online-Kurse bei denen ich etwas Geld investiere, aber die Informationen auch aufbereitet bekomme.

Mein Vorschlag ist zwischen 1 und 3 zu wählen. Hintergrund: Wenn sich mal meine Lebenssituation ändert und ich etwas anders machen möchte, weiß ich selbst, wie es geht. Bei Punkt 2 muss ich erneut Geld für einen Honorarberater ausgeben.

Die größten Vorurteile gegenüber Aktiengeschäften sind, dass sie zu kompliziert und unsicher sind. Wie ist deine Meinung?

Überhaupt nicht. Die meisten Leute wissen gar nicht, wie wenig sie nur wissen müssen, um das selbst in die Hand zu nehmen. Genau das ist das Problem. Jede Frau, die ich kenne, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, war verblüfft, wie einfach es ist. Das größere Problem: Es gibt auch viele schlechte Angebote und ich muss schauen, dass ich nicht auf eine „Get-Rich-Quick“-Falle hereinfalle.

Man kann ETF-Sparpläne nicht nur über die Hausbank oder eine Online-Bank, sondern mittlerweile auch über Apps anlegen. Das wirkt idiotensicher, aber auch irgendwie unseriös, so als könne man die Altersvorsorge mit ein paar Wischs erledigen. Wie ist deine Einschätzung?

Solche Apps sind wirklich gut, wenn man sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Ich würde eher zu Investment-Apps raten, als zur Hausbank. Die Hausbank verlangt viel zu hohe Gebühren. Apps machen letztendlich auch nichts anderes, als das, was ich selbst in die Hand nehmen kann. Dafür ist die Rendite super und ich kann genau wählen, was ich möchte. Bevor man gar nichts macht, also lieber solche Apps nutzen. Ich habe aus Recherchegründen auch schon ein paar ausprobiert und finde das Angebot toll.

Was würdest du einer absoluten Börsen-Newcomerin ohne jede Art von Know-how mit einem monatlichen Budget von max. 100 Euro pro Monat empfehlen?

Erst einmal: Ist der Notgroschen vorhanden? Kann ich auf das eingesetzte Geld wirklich verzichten? Dann ganz wichtig: Wie lang ist mein Anlagehorizont und welche Schwankungen an der Börse halte ich mental aus? Wenn es mir nichts ausmacht, dass mein Depot auch mal rote Zahlen schreibt, dann kann ich risiko- und somit chancenreicher investieren.

Der einfachste Einstieg an der Börse, ist der über ETFS. Und dann muss ich mir aber überlegen, welche Strategie ich fahren möchte: Möchte ich in den Weltmarkt investieren? Oder mich auf Wachstumsunternehmen spezialisieren? Oder möchte ich nachhaltig investieren? Daneben muss ich auch wissen, wie ich einen ETF auswähle und welcher zu mir passt.

Was passiert, wenn meine Bank pleite geht oder es einen Börsencrash gibt: Verliere ich dann mein ganzes Geld?

Wenn die Bank pleite geht, kann es mir egal sein, weil mein investiertes Geld als Sondervermögen abgesichert ist. Vor Börsencrashs kann ich mich nicht schützen. Aber genau deswegen ist es wichtig zu verstehen, wie die Börse funktioniert und warum es überhaupt Crashs gibt. Solange ich nichts verkaufe und panisch werde, verliere ich auch kein Geld. Ich persönlich habe die Coronakrise genutzt um kräftig nachzukaufen und noch mehr Geld zu investieren.

Du predigst ja den „Notgroschen“. Also erst die Lebenshaltungskosten für 3-6 Monate safe auf dem Tagesgeldkonto sparen und dann mit einem Dauerauftrag an die Börsegeschäfte wagen. Viele Frauen, vor allem Selbständige und Mütter, denen also besonders die Altersarmut droht, haben diesen Notgroschen nicht und können ihn auch nicht ansparen. Was ist also, wenn ich dieses Polster nicht habe, sondern nur 50 Euro im Monat?

Ohne Notgroschen keine Aktien. Der Hintergrund ist ganz einfach: Wenn mein ganzes Geld in Aktien liegt und ich einen Notfall habe, bei dem ich Geld brauche, muss ich meine Aktien oder ETFs verkaufen, um an das Geld ranzukommen. Wenn es genau in diesem Moment einen Crash gibt und ich mit meinem Depot beispielsweise 20 Prozent im Minus bin, verliere ich eine Menge Geld.

Der Notgroschen muss aber keine 6 Monatsgehälter groß sein. Oft reichen auch schon 1-2 Nettomonatsgehälter, das kommt auf meine persönliche Lebenssituation an. Viele sparen auch erst einmal 1.000 Euro an und starten dann an der Börse, das ist auch okay. Wichtig ist nur, dass meine einzige Rücklage nicht Aktien sind.

Für jetzt und alle Zeiten: Was ist dein ultimativer Spartipp für Frauen gegen die Altersarmut?

Haushaltsbuch führen, um zu wissen wohin mein Geld eigentlich geht und wo ich Einsparpotenzial habe und dann am Monatsanfang und nicht am Monatsende sparen. Beides sind für mich die wichtigsten Tipps zum Sparen, weil dadurch die Gewohnheiten unterbewusst verändert werden. Ich rate wirklich jeder Frau das auszuprobieren.
Und das Geld muss dann auch weg vom Girokonto aufs Tagesgeldkonto! Sonst gibt man es vielleicht doch in einem schwachen Moment aus.

Das Geld auf dem Konto bekommt keine Zinsen und verliert aufgrund der Inflation seinen Wert. Aber die Gewinne aus Aktiengeschäften sind einkommensteuerpflichtig. Ist das, was unter dem Strich am Ende rauskommt, dann nicht eine Milchmädchenrechnung?

Absolut nicht! Wenn ich 10.000 Euro ein Jahr lang rumliegen lasse, verliere ich 200 Euro pro Jahr. Lass ich das Geld sogar 10 Jahre liegen, habe ich inflationsbedingt einen Verlust von 1.800 Euro! Wenn ich das Geld hingegen investiere mit einer Verzinsung von 7 Prozent (was der durchschnittlichen Jahresrendite vom DAX entspricht, habe ich in 10 Jahren 19.671,51 Euro auf dem Konto. Das heißt, ich habe einen Gewinn von 9.671,51 Euro. Verkaufe ich meine Aktien nach 10 Jahren, nutze ich zunächst noch meinen Freibetrag von 801 Euro bei Singles und 1.602 Euro für Paare.

Bin ich Single ziehe ich also noch 801 Euro ab und muss nur noch ca. 8.870 Euro versteuern. Das sind dann ca. 2.100 Euro, die ich ans Finanzamt abgeben muss. Abzüglich der Inflationsrate von 2 Prozent jährlich, bleiben mir noch immer etwa 5.000 Euro an Reingewinn. Ich finde, da lohnt es sich, den Aufwand zu betreiben und sich über Geldanlage zu informieren.

Liebe Margarethe, danke für deine Zeit und die Bereitschaft meine Fragen zu beantworten.

PS: Am 11.01.2021 startet übrigens das von ihr initiierte Fortunalista Bootcamp.

Meinen Honorarberater Enrico Ritter habe ich über dieses Portal gefunden. Ist das wirklich seriös? Wichtige Hintergrund-Informationen dazu:

„Damit Verbraucherinnen und Verbraucher die für sie idealen Finanzprodukte auswählen können, ist es wichtig, dass dabei keine Interessen Dritter entgegenstehen, d.h. dass eine Beratung wirklich unabhängig erbracht wird. Früher war es im Bereich der Geldanlage nicht immer einfach zu erkennen, ob der Berater allein von dem durch seinen Kunden gezahlten Beratungshonorar oder auch von Verkaufsprovisionen der Anbieter bestimmter Finanzprodukte lebt.

Aus diesem Grund hat die Bundesregierung mit dem am 1. August 2014 in Kraft getretenen Honoraranlageberatungsgesetz erstmals das gesetzliche Berufsbild des Honorarberaters zunächst für den Bereich der Geldanlage ins Leben gerufen.“ Quelle: BMJV

Foto: Alexander Dorn

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