Kolumne: Unser Leben ist eine Baustelle – 15

Kolumne: Unser Leben ist eine Baustelle – 15

Ich liebe unser Zuhause, mit all seinen räumlichen Vorzügen und baulichen Herausforderungen. Aber wenn ich das Haus unserer Freunde betrete, spüre ich Hausneid. Nicht, weil ihr Haus größer oder schöner eingerichtet wäre. Nein, es ist wegen der Fußbodenheizung. Dieses wohlige Gefühl, das meinen Körper durchströmt, wenn ich auf Socken oder sogar barfuß über den warmen Boden laufe – für mich ist das fast so gut wie eine Wellness-Behandlung.

Bei uns dagegen stürzt sich jede/r Besucher*in auf die Hausschuhe oder fragt nach Wollsocken. Unser Haus ist nämlich „fußkalt“, wie unsere 80-jährige Oma bemerkte. Mit einer ausgeklügelten Heiztechnik versuchen wir im Winter die Raumtemperatur tagsüber konstant über 20 Grad zu halten, nachts kuscheln uns unter unsere dicken Bettdecken. Mein erster Griff geht morgens deshalb an die Heizung, ob sie schon warm ist.

Eines Sonntagmorgens blieb die Heizung kalt. Ich sprang aus dem Bett und checkte, ob die anderen Räume ebenfalls nicht beheizt waren. Das ganze Haus war ein Kühlschrank. Ich rannte im Schlafanzug in den Keller und sah, dass die Gastherme eine kryptisch verschlüsselte Störung anzeigte. Es war 6 Uhr. Mein Notruf endete bei einem verschnupften Heizungsbauer, der sich gerade krank gemeldete hatte, sich aber immerhin erbarmte mir per Ferndiagnose zu helfen.

Aufgeregt las ich ihm den Fehlercode vor. Er antwortet mir, dass er sich nicht sicher wäre, was dieser zu bedeuten habe. Ich solle einfach mal die Verkleidung abschrauben und schauen, ob ich eine blaue Flamme sehen könne. Wenn nein, sollte ich den roten Knopf drücken und die Zündung neu starten. Ich sah schon die Schlagzeile: „Gasexplosion zerstört Influencer-Haus.“ Egal, entweder wir frieren oder fliegen und die Luft. Ich sprach ein Gebet und drückte dann auf den Knopf. Ein kurzer Moment der Stille, dann ein zischendes Geräusch und Gott sei Dank: Die Heizung sprang wieder an.

Wann das Gerät das letzte Mal gewartet worden sei, fragte mich mein Helfer am anderen Ende der Leitung. „Heizungen muss man warten?!“, antwortete ich verblüfft. „Einmal im Jahr, am besten vor Beginn der Heizsaison oder direkt nach der Heizperiode“, belehrte mich der Experte. Ich schluckte: Unser Gerät war noch nie gewartet worden, seitdem wir es gekauft hatten. Mein Fazit also, nachdem ich meine Familie weckte und stolz verkündete, Mami hätte die Heizung repariert: Als Hausbesitzerin lernt man wirklich nie aus!

Dieser Text ist in der Zeitschrift „Wohnen“ erschienen.

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